Josef Benedikt

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Josef BENEDIKT wurde am 14. (oder 16.) August 1876 in Nemoksht im damaligen Russland, heute Litauen[1], lebte aber vor der Übersiedlung nach Graz in Boldogasszony/Frauenkirchen im Bezirk Nezsider/Neusiedl am See (heute Ungarn) und war seit 1908 in Graz Kantor der Israelitischen Kultusgemeinde.

Chasan [χaˈzan] (hebräisch חַזָּן, translit.: ẖazzan; Pl.: Chasanim, fem. Pl.: Chasanot, jiddisch Chasn) oder Kantor wird der Vorbeter in einer Synagoge oder jüdischen Gemeinde genannt. […] Traditionell wird vom Chasan neben einer guten Stimme große Kenntnis der jüdischen Liturgie verlangt, vor allem aber ethisch einwandfreies Verhalten und Frömmigkeit. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammten berühmte Chasanim der aschkenasischen Tradition aus Russland […].“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Chasan_(Kantor))

Josef Benedikt, Ausschnitt aus einem Familienfoto, ca. 1940er Jahre, nach der Flucht in die USA

Josef Benedikt, Ausschnitt aus einem Familienfoto, ca. 1940er Jahre, nach der Flucht in die USA

Regina BENEDIKT, geb. Goldstein wurde am 18. Mai 1886 in Kövesd, Bezirk Borsod[2], Ungarn geboren.

 

Josef und Regina (Regine) Benedikt wurden getraut am  28. März 1906 in Kismarton/Eisenstadt bzw. am 10. Februar 1910 in Sopron (später Ödenburg) bzw[3] (möglicherweise zuerst rituelle, dann staatliche Trauung?).

 

Regina und Josef Benedikt hatten drei Kinder: Elisabeth (zuvor Erzsi/Erszika für ungarisch Erszebet, geboren am 5.5.1908 noch in Ungarn (bei Köszeg) und die Brüder Leo (19.6.1909) und Erich (1911), beide bereits mit Geburtsort Graz). Die Familie lebte seit 1908 in Graz und seit 1915 oder 1926[4] am Grieskai 50.

 

[Anmerkung seitens des Vereins für Gedenkkultur: Über Verfolgungen, Misshandlungen, Bedrohungen und Inhaftierungen zwischen dem sog. Anschluss“ und der Flucht der Familie wissen wir derzeit noch nichts Konkretes; es ist aber sehr stark anzunehmen, dass Josef Benedikt als Träger einer zentralen Funktion innerhalb der jüdischen Gemeinde – so wie etwa auch Oberrabbiner David Herzog – besonderen Schikanen ausgesetzt war und die restliche Familie unter ähnlichen Demütigungen und Einschränkungen leiden musste wie alle Grazer Jüdinnen und Juden: Verbote, Schulverweis (für den 17-jährigen Erich?), Schmähungen und vieles mehr.]

 

1938 konnte die Familie Visa erlangen und in die USA flüchten. Die Abmeldung beim Meldeamt erfolgte am 27. Dezember 1938 bei Josef Benedikt mit Vermerk: “Abgemeldet nach: ?“ und bei Sohn Leo mit „Abgemeldet nach Ungarn“; möglicherweise eine erste Station seiner Flucht in die USA. (Von Regina und Erich waren keine Meldezettel verfügbar.)

Familie Benedikt in den USA (ca. 1940er Jahre, Familienarchiv)

Familie Benedikt in den USA (ca. 1940er Jahre, Familienarchiv)

[1] Laut Volkszählung von 1910: Geb. 16. Aug. 1876 in Nemokst, Bezirk Kovne, Russland – vermutlich heute Nemakščiai bzw. Kauen (deutsch veraltet Kauen, russisch Ковно, weißrussisch Коўна, polnisch Kowno).

[2] Vermutlich im heutigen Komitat Borsod bei Miskolc.

[3] Laut Volkszählung von 1910: getraut am 10.2.1910 in Sopron. Laut sog.  Judenkataster: 28.3.1906 in Kismarton/Eisenstadt.

[4] Meldezettel im Stadtarchiv: 16.1.1926v – 27.12.1938;

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