Karl Walter Neufeld

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  • Karl-Walter-NeufeldAdresse: Straßganger Str. 27 (Straßgang, Hauptstr. 27; ab 1938: Adolf-Hitler-Str. 27)
  • Geschwister Karl Walter (JG 1924), Helmut (JG 1926) und Vera (JG 1930) Neufeld. Eltern: Carl und Anna Neufeld
  • Vater Carl Neufeld, geboren am 3. November 1888 in Semriach bei Graz. Seine Eltern sind wiederum Ignatz und Marie Neufeld, geborene Preis. Bereits der Vater war Kaufmann. Nach Schulbesuch in Semriach absolvierte Carl Neufeld eine Kaufmannslehre bei seinem Onkel Leopold Neufeld in Peggau; eröffnete nach Jahren als Handelsangestellter in Köflach 1913 in Straßgang im Süden von Graz ein Gemischtwarengeschäft. War als Soldat im Kriegseinsatz an Ostfront, danach baute er sein Geschäft aus und gründete 1923 mit Anna Fließer eine Familie.
  • Anna Neufeld, geborene Fließer; Geburt 4.12.1901; ursprünglich röm.-kath.; konvertierte vor der Ehe zum Judentum. Die Trauung fand am 23. Mai 1923 in Wien statt.
  • Situation 1938: Geschäft in Zwischenkriegszeit stark ausgebaut; besaßen Gemischtwarengeschäft mit einem Angestellten und einem Lehrling; ein Autotransportunternehmen und eine öffentliche Brückenwaage. Zudem waren sie Eigentümer des Geschäftsgebäudes, indem noch ein Gasthaus untergebracht war, wie auch ein angrenzendes Wohnhaus, wo Familie wohnte.
  • Vermögensentzug ab März 1938.
  • Carl Neufeld muss unmittelbar nach 12. März 1938 seinen Reisepass bei der örtlichen Polizeistation hinterlegen; Kundschaft wird durch SA-Posten am Einkaufen gehindert und zudem die Rollläden seines Geschäfts beschmiert. Das Auto wird durch örtliche Parteimitglieder beschlagnahmt; Mitte Juni durch SS. Bei Hausdurchsuchungen werden Schmuck und Wertgegenstände von der SS geraubt.
  • Am 21. Juni 1938 wird erstmals von Gestapo mit Haft gedroht und im Zuge dessen die Ausreise bis 1. September 1938 vorgeschrieben. Dazu wurde er aus Haft entlassen, musste sich aber montags und donnerstags bei Gestapo in Graz melden.
  • August neuerliche Verhaftung von Carl und Anna Neufeld; treibende Kraft ist kommissarische Verwalter Osrainik. Neufeld wird am 11. September wieder entlassen.
  • November 1938: Neuerliche Verhaftung von Carl Neufeld im Zuge des Novemberpogroms. Deportation nach Dachau; Ende Dezember wieder entlassen, um beim
  • Abschluss der „Arisierung“ seines Eigentums anwesend zu sein.
  • Ende Februar 1939: Zwang zur genannten „Aktion Judenauswanderung aus der
  • Steiermark“ beizutreten. Gesamtes Vermögen musste dem Bankhaus Kretschker & Co übergeben werden; dafür Zusicherung der Ausreisemöglichkeit.
  • März 1939: Neuerliche Verhaftung von Carl Neufeld.
  • Flucht Sommer 1939: Durch finanzielle Unterstützung seines Bruders [Leopold Neufeld?] und der Grazer Gräfin Hoyos gelang Mitte Juli 1939 schließlich die Flucht mit der ganzen Familie nach England.
  • Exil: In England wurde die Familie getrennt; Carl verdiente Lebensunterhalt – mit
  • Unterbrechung durch Internierung als „enemy alien“ auf der Isle of Man – bis zu seiner erfolgreichen Rückkehr nach Graz 1946 als Gärtner.
  • Carl, Anna und Vera Neufeld kehren nach 1946 nach Straßgang zurück und kämpfen in den Jahren ab 1947 um die Rückgabe ihres geraubten Vermögens.
  • Die Söhne Helmut und Karl Walter Neufeld bleiben in England und werden erfolgreiche Chemiker. Beide sind bereits verstorben, aber ihre Nachkommen leben in England.
  • Schwester Vera Neufeld lebt noch in Österreich, hat keine Kinder.

Quelle:

Gerald Lamprecht, NS-Herrschaft als „soziale Praxis“ am Beispiel des Schicksals von Familie Neufeld aus Strassgang. In: Petra Ernst et al (Hg.), Geschichte erben – Judentum reformieren. Beiträge zur modernen jüdischen Geschichte in Mitteleuropa. Wien 2016, 164-195.

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