Ignaz Braun

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Biografie Ignaz und Klara Braun – Stolpersteinverlegung Köflach 03.07.2022

(verfasst von Julia Stegmann, BA, Museum Köflach)

Ignaz Braun wurde am 24. Oktober 1865 in Schlaining in Westungarn, heute die Stadtgemeinde Stadtschlaining im Burgenland, als Sohn des Kaufmannes Leopold Braun geboren. Ein Teil der Familie übersiedelte nach Köflach und Ignaz Braun lebte ab 1879 hier und war wie sein Vater als Kaufmann tätig. Ignaz hatte mehrere Schwestern: Johanna Heinrich, Ida Stier, Josefine Weiss und Kathi Löwy. 

Klara Braun wurde am 21. Dezember 1870 als älteste Tochter von Rosa und Jakob Singer in Marikova, Westungarn, heute Dolná Mariková in der Nordwestslowakei, geboren. Die Familie ist oft umgezogen, immer dorthin wo der Vater Arbeit bekam. Schließlich ließ sich die Familie in Graz nieder. Klara hatte mehrere jüngere Geschwister: Gustav Singer, den früh verstorbenen Sigmund Singer, Marie Bander, Regine Bendiner und Samuel Singer.

Am 24. April 1906 heirateten Ignaz und Klara und lebten danach in Köflach. Die Ehe blieb kinderlos.

Das Ehepaar Braun wohnte und arbeitete im Haus Köflach Nr. 15, heute Hauptplatz 9, und betrieb dort eine in der Umgebung sehr bekannte Gemischtwarenhandlung. Ihnen gehörten auch mehrere Häuser in Köflach und Rosental, die vor allem an Bergleute vermietet wurden, und ein Haus in Graz.

 

Haus Gemeinde Köflach (Siegl-Chronik)

Haus Gemeinde Köflach (Siegl-Chronik)

Die Brauns waren als sehr gütige und verständnisvolle Menschen bekannt. Sie waren nachsichtig, wenn Leute mit der Miete in Verzug kamen. Kunden konnten immer anschreiben lassen, bis der ausstehende Betrag am Zahltag beglichen werden konnte.

Im April 1938 wurde Ignaz Braun in das Sanatorium Hansa in Graz eingeliefert. Er verstarb dort wenige Tage später am 27. April 1938 im Alter von 73 Jahren. Er wurde am jüdischen Friedhof in Graz begraben.

Als Erben von Ignaz Braun mussten Klara Braun und ihre Schwägerinnen am 28. Juni 1938 eine Vermögensanmeldung vorlegen. In Folge wurde ihr Besitz und Vermögen „arisiert“. Durch die Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens waren sie gezwungen die Gemischtwarenhandlung und einen Teil der Grundstücke zu einem vorgeschriebenen Preis zu verkaufen.  1942/43 wurden mehrere Grundstücke durch das Deutsche Reich entschädigungslos beschlagnahmt. Auf einem der enteigneten Grundstücke begann man ein Wohnhaus für SS-Angehörige zu errichten, in diesem Gebäude befindet sich heute die Polizeiinspektion Köflach. 

Nach dem Tod ihres Mannes zog Klara für kurze Zeit nach Graz zu ihrer Schwester Regine und ihrem Schwager Josef Bendiner in die Keplerstraße 49/II. Im selben Jahr musste sie zwangsweise nach Wien umziehen und in den folgenden Jahren in verschiedenen Sammelwohnungen leben. Die letzte dieser Sammelunterkünfte befand sich in der Große Stadtgutgasse 24/9 in der sie mit sechs anderen Personen untergebracht war, darunter ihre Schwägerinnen Johanna Heinrich, Josefine Weiss und Ida Stier. Am 13. August 1942 wurde sie mit dem Transport Nummer 35, einem sogenannten „Alterstransport“, in das Ghetto des KZ Theresienstadt deportiert. Sieben Tage später wurden auch ihre Schwägerinnen dorthin deportiert. Klara Braun wurde am 14. März 1944 im Alter von 74 Jahren im KZ Theresienstadt ermordet. 

Quellen:

Meldezettel von Ignaz Braun, Meldeamt Köflach.

Siegl Chronik, Bd. 1, S. 69 (ungedruckte Chronik der Stadt Köflach, Museum Köflach).

Siegl Chronik, Bd. 3, S. 17-19 (ungedruckte Chronik der Stadt Köflach, Museum Köflach).

Stampfer, Ludwig: Chronik der Besitzveränderungen in den Gemeinden Pichling, Puchberg, Rosenthal, Gradenberg (incl. Weiern), 1910 fertiggestellt, S. 559, 695 (ungedruckte Pfarrchronik, Pfarramt Köflach).

Stampfer, Ludwig: Chronik der Besitzänderungen in der Marktgemeinde Köflach, S. 38, 215, 227,625 (ungedruckte Pfarrchronik, Pfarramt Köflach).

StLA, Grundbuch Köflach, EZ 6, KG. Köflach, Bauparzelle 40/1.

StLA, Grundbuch Köflach, EZ 132, KG. Köflach

StLA, Grundbuch Graz-Lend, EZ 1085, KG. Lend-Graz, Gabelsbergerstraße 6.

StLA, Klara Braun und Ignaz Braun, Ifd. Nr. 76-97 (88/89), Verzeichnis Nr. 17 822; Vermögensanmeldung; Zusammenstellung der Wertgegenstände; Daten über derzeitigen Vermögensstand; 3 Sicherheitsbescheide; 5 Bescheide des Landrates; Verzeichnis des bisher bekannten Verlassenschafts-Vermögens nach Ignaz Braun 1938

StLA, FLD-Rückstellungsakten 829/1951

StLA, Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz, Rk 26/48, Akt der Arisierungsstelle Graz 96L.G. (1948), EZ 48, KG. Rosenthal

StLA, Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz, Rk 133/1952, EZ 453, LG. Köflach

StLA, Rückstellungsverfahren 1947, Zl. 401, EZ 6 (722)

Koren, Hanns: Momentaufnahmen. Menschen, die mir begegneten, Graz 1975, S.97-99.

Stadtgemeinde Köflach (Hg.): Köflacher Stadtrundgang, Köflach 2010, S. 13, Text: Hedwig Wingler.

Literatur:

Amschl, Martin. Der Nationalsozialismus im Kreis Voitsberg zwischen 1938 und 1945, Diss. Universität Graz, 2015.

Brunner, Walter (Hg.): Geschichte und Topographie des Bezirkes Voitsberg, Bd. 1: Allgemeiner Teil (=Große geschichtliche Landeskunde der Steiermark, hrsg. v. Josef Riegler, Bd. 5/II), Graz 2011, S. 183

Schöggl-Ernst, Elisabeth: Die Arisierungsakten des Oberfinanzpräsidenten Graz. Die Übernahme des Aktenbestandes von der Finanzlandesdirektion Graz. In: MStLA 50 (2001), 357-366.

Wingler, Hedwig: Erinnertes und nicht Erinnertes. Texte (=Herausgegeben von Franz Damphofer, Verein Provinz-Aktion Weststeiermark), St. Stefan i.L. 2013, S. 9-11.

Online:

Burgenländische Forschungsgesellschaft, Die burgenländisch-jüdischen Opfer der Shoah, s.v. Josefine Weiss, http://www.forschungsgesellschaft.at/opferdatenbank/odb_d.php [letzter Zugriff 01.07.2022].

Centropa, Interview Franziska Smolka, https://www.centropa.org/de/biography/franziska-smolka [letzter Zugriff 01.07.2022].

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, s.v. Klara Braun, www.doew.at [letzter Zugriff 01.07.2022].

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, s.v. Johanna Heinrich, www.doew.at [letzter Zugriff 01.07.2022].

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, s.v. Josefine Weiss, www.doew.at [letzter Zugriff 01.07.2022].

Holocaust.cz, Opferdatenbank, s.v. Klara Braun, https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/48606-klara-braun/ [letzter Zugriff 01.07.2022].

Holocaust.cz, Opferdatenbank, s.v. Johanna Heinrich, https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/51920-johanna-heinrich/ [letzter Zugriff 01.07.2022].

Holocaust.cz, Opferdatenbank, s.v. Josefine Weiss, https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/60451-josefine-weiss/ [letzter Zugriff 01.07.2022].

Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, s.v. Klara Braun, https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=de&itemId=4826630&ind=1 [letzter Zugriff 01.07.2022].

Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, s.v. 2, Grosse Stadtgutgutgasse 24/9, https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=en&advancedSearch=true&wad_value=2,%20GR.OSSE%20STADTGUTGASSE%2024/9&wad_type=synonyms [letzter Zugriff 01.07.2022].

Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, s.v. Johanna Heinrich, https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=4837961&ind=1 [letzter Zugriff 01.07.2022].

Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, s.v. Ida Stier, https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=4813840&ind=1 [letzter Zugriff 01.07.2022].

Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, s.v. Josefine Weiss, https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=de&itemId=4820178&ind=1 [letzter Zugriff 01.07.2022].

https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/s-t/1745-schlaining-burgenland-oesterreich [letzter Zugriff 01.07.2022].

Recherche Dr. Hedwig Wingler

Unterlagen aus der Stampfer Chronik und dem Steiermärkischen Landesarchiv (siehe Quellen)

Jüdische Opfer



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