Einladungsmail_HAK_Grazbachgasse für Verlegung am 29,.9.2022

Stolperstein-Verlegung für 19 ehem. Schüler* innen der HAK Grazbachg.

29.September 2022 um 09:00 Uhr

Als Abschluss eines wunderbaren mehrmonatigen Projekts mit der Klasse 4AK der Handelsakademie Grazbachgasse unter Leitung von Herrn Prof. Mag. Michael Luger werden im Rahmen eines feierlichen Festaktes gemeinsam mit der Schule 19 Stolpersteine für vertriebene ehem. Schüler*innen enthüllt und der erläuternde „Kopfstein“ – als Abschluss des Projekts und als Start für das Gedenken im öffentlichen Raum – im Rahmen dieser Feierlichkeit „live“ verlegt:

Graz –  29. September 2022, 9:00-10:30
Für der Schule verwiesene jüdische Schüler:innen der HAK Grazbachgasse

Für den im Schulgebäude stattfindenden ersten Teil der Verlegungszeremonie bitten wir aufgrund der beschränkten Platzanzahl um Anmeldung unter: verein@stolpersteine-graz.at

Die Biografien der gewürdigten Opfer des Nationalsozialismus werden von jenen Schüler*innen vorgetragen, die auch die Archivrecherchen und das  Zusammenstellen der biografischen Daten durchgeführt haben und der Festakt der Schule findet statt unter Teilnahme von Thomas Meier und Thomas Stoppacher, die von Seiten des Vereins für Gedenkkultur das Projekt fachlich und organisatorisch vorbereitet und begleitet haben, dem Präsidenten der Grazer Jüdischen Gemeinde KR MMag. Elie Rosen, Vertreter*innen der Grazer Stadtpolitik.

Im Voraus schon vielen Dank an die Holding Graz für die würdevoll gestalteten straßenbaulichen Verlegungsarbeiten der 20 Steine (19 für die ehemaligen Schüler*innen, 1 Kopfstein) vor dem Eingang in der Grazbachgasse 71.

Wir danken der Schule für dieses großartige Projekt, das Engagement und die Gestaltung des feierlichen Festaktes!

Inschriften (Biografien siehe unten)

IN ERINNERUNG AN
DIE JÜDISCHEN OPFER
DES NATIONALSOZIALISMUS
AN UNSERER SCHULE
IM JAHR 1937/1938
HIER LERNTE
ROBERT AGLAR
JG. 1923
1938 FLUCHT
PALÄSTINA
HIER LERNTE
STEFAN PISTA BALOG
JG. 1919
SCHICKSAL UNBEKANNT
HIER LERNTE
SIEGFRIED BAUMGARTNER
JG. 1921
SCHICKSAL UNBEKANNT
HIER LERNTE
ALFRED BLÜH
JG. 1922
1939 FLUCHT
JUGOSLAWIEN, PALÄSTINA
1943 ÄGYPTEN
HIER LERNTE
HARRY BRADY
JG. 1922
1938 FLUCHT
PALÄSTINA
HIER LERNTE
LUCY HERMANN
JG. 1919
SCHICKSAL UNBEKANNT
HIER LERNTE
FRANZ HORVATH
JG. 1919
1938 FLUCHT
UNGARN
SCHICKSAL UNBEKANNT
HIER LERNTE
HEINRICH KISSMANN
JG. 1922
1938 FLUCHT
USA
HIER LERNTE
HENRIETTE KLUGMANN
JG. 1923
1939 FLUCHT POLEN
1942 ERMORDET SNIATYN
 HIER LERNTE
SANDOR KOVACS
JG. 1919
1938 FLUCHT
UNGARN
SCHICKSAL UNBEKANNT
HIER LERNTE
JOHANN LATZER
JG. 1922
FLUCHT PALÄSTINA
HIER LERNTE
HELENE MANDEL
JG. 1920
SCHICKSAL UNBEKANNT
HIER LERNTE
GERTRUDE NASCH
JG. 1921
FLUCHT
PALÄSTINA
HIER LERNTE
JAKOB SCHWARZ
JG. 1923
1938 FLUCHT
PALÄSTINA
HIER LERNTE
SONJA SOMMER
JG. 1923
SCHICKSAL UNBEKANNT
HIER LERNTE
JOHANN STRAUSS
JG. 1922
1938 INTERNIERT KZ DACHAU
1938 FLUCHT PALÄSTINA
1941 USA
HIER LERNTE
JANOS VAJDA
JG. 1919
DEPORTATION
1944 KZ MÜHLDORFER HART
ERMORDET 1945
HIER LERNTE
HANS LEOPOLD WECHSLER
JG. 1920
UNFREIWILLIG VERZOGEN
1938 WIEN
1939 FLUCHT
PALÄSTINA
HIER LERNTE
HEINZ HEINRICH WECHSLER
JG. 1920
UNFREIWILLIG VERZOGEN
1938 WIEN
1939 FLUCHT
PALÄSTINA

Namen

Namen, der Schülerinnen und Schüler, die die Recherchen durchgeführt haben:

 

1 Monika Colic
2 Felix Ellmaier
3 Elisa Gnaser
4 Daniel Hadas
5 Philipp Huber
6 Aijla Karaibrahimovic
7 Julia Kelbetz
8 Felix Klein
9 Lorena Klement
10 Timo Kogler
11 Elena Kranzler
12 Laura Labitsch
13 Allegra Laza
14 Katarina Loibner
15 Verena Pichler
16 Lukas Pötz
17 Ioana Soroceanu
18 Lena Suppan
19 Thomas Zöch

Biografien:

Robert Aglar

Robert (Bob) Aglar wurde am 12. Oktober 1923 in Graz, Österreich geboren. Sein Vater, Ernst (Ernest) Aglar, geboren am 23. September 1896, war ein Geschäftsmann, der Erna heiratete, geboren am 23. April 1901. Sie waren eine österreichische Familie mit jüdischer Konfession, die in einer Wohnung am Tegetthofplatz 2 in Graz lebte, als die Nationalsozialisten kamen und sie aus ihrer Heimat vertrieben.

Robert Aglar besuchte die BHAK Grazbachgasse im Schuljahr 1937/38 in der Klasse 1C. Er schloss das erste Semester ab. Er war ein durchschnittlich guter Schüler und erhielt sein Schulzeugnis am 11.  Februar 1938. Nur zwei Monate später, am 1. April 1938, verließ er die Schule endgültig.

Etwa zu dieser Zeit wurde sein Vater Ernst verhaftet und im Konzentrationslager Dachau inhaftiert, aber am 20. November 1938 wieder freigelassen. Seine Mutter Erna beantragte ein Mandat für die Einbürgerung nach Palästina, da sie als Familie dorthin auswandern wollten, was auch gelang. Sie lebten dort ungefähr 15 Jahre und Robert traf Lenore, seine spätere Frau. Dort bekamen sie auch ihre Tochter Micki und ihren Sohn Daniel.

1953 wanderte Robert zusammen mit seinen Eltern, Lenore und den gemeinsamen Kindern nach Colorado, Amerika, aus. In Denver, Colorado, fingen sie neu an und bekamen ihr drittes Kind Dina.

In der Zwischenzeit begann Robert seine Karriere in der Immobilienbranche. Er arbeitete zunächst im Vertrieb für Strauss Realty und wurde dann Präsident der Perry and Butler Management Company. Robert war während seiner langen Karriere sehr aktiv und erhielt auch mehrere Auszeichnungen und Zertifizierungen. Nach seiner Pensionierung arbeitete Robert als Berater bei SCORE, einer Firma, die neuen Geschäftsinhabern bei der Gründung ihrer Unternehmen hilft.

Roberts Eltern lebten in ihrer Nähe in Aurora, Colorado, wo sie auch begraben wurden. Seine Mutter Erna, starb mit 75 Jahren und sein Vater Ernst, mit fast 89 Jahren. Robert starb am 30. Dezember 2006 an Parkinson und seine Frau Lenore am 9. August 2010, nachdem sie ein halbes Jahr lang gegen Krebs gekämpft hatte. Zu dieser Zeit hatten sie fünf Enkel und fünf Urenkel. Die Zeit des Nationalsozialismus hinterließ Narben, aber es gelang ihnen trotzdem zu entkommen, neu anzufangen und ein erfülltes Leben zu führen.

 

Stefan Pista Balog

Stefan Pista Balog wurde am 26.10.1919 in Tiszaszentimre in Ungarn geboren. Im Schuljahr 1937/1938 besuchte er den Abiturientenkurs an der Handelsakademie Grazbachgasse. Während seiner Schulzeit wohnte er in der Rebengasse 25 in Graz. Er schloss das Schuljahr nicht ab. Sein weiteres Schicksal bleibt uns unbekannt.

 

Siegfried Berger recte1) Baumgartner

Siegfried Berger recte Baumgartner wurde am 19.09.1921 in Graz geboren. Er hatte eine polnische Staatsbürgerschaft und lebte in der Mondscheingasse 6 unweit des Jakominiplatzes. Er besuchte die Handelsakademie Graz, ging in die Kaufmännische Wirtschaftsschule für Knaben und wurde am 30.04.1938 mit 17 Jahren von der Schule abgemeldet. Sein Vater Kahman Hersch Berger recte Baumgartner und seine Mutter Libe Schwarz haben im Jahr 1902 geheiratet. Kahman Hersch Berger recte Baumgartner wanderte von Polen aus und wirkte in Graz als Kaufmann. Siegfried hatte zwei ältere Brüder, Adolf und Bernhard, sowie eine ältere Schwester namens Rachel Lea.

 

  1. In Matriken zu jüdischen Namen aus Galizien verbindet das Wort recte auch den Familiennamen des Vaters und den Familiennamen der Mutter, wenn die Kinder als unehelich eingestuft wurden. Bei umgekehrter Reihenfolge wurden die Namen durch false verbunden (https://de.wikipedia.org/wiki/Recte#Namenkunde).

Gründe für die Einstufung als unehelich konnten unterschiedlich sein, z.B. dass bestimmte Dokumente nicht anerkannt worden waren (http://hbjk.sbg.ac.at/kapitel/genealogische-spurensuche-juedische-genealogie-in-oesterreich/

 

Alfred Blüh

Alfred Blüh wurde als jüngster Sohn von Adele und Wilhelm Blüh im Juli 1922 geboren. Die Familie lebte in der Annenstraße 31, wo sich auch ihr Lederhandelsgeschäft und ihre Schuhoberteilfabrik befanden. Die beiden Betriebe wurden von den Nationalsozialisten liquidiert. Schon kurz nach der Geburt von Alfred verstarb Mutter Adele am 1. August 1922. Alfred wird als Kind von Verwandten betreut, während die zwei älteren Geschwister Gertrude und Hans beim Vater verbleiben. Nach der Heirat mit Olga Fleischer und seinem Vater kümmert sich nun Olga Blüh um die drei Kinder. Alfred besuchte die HAK Grazbachgasse, bis die NS-Führung im Jahr 1938 die Entfernung aller jüdischen SchülerInnen aus öffentlichen Schulen anordnete. Infolge der antisemitischen Gesetze und der zunehmend gefährlichen Situation wurde Alfred zu Verwandten in Jugoslawien geschickt, wo er einige Monate verbrachte. Danach flüchtete er noch im Jahr 1938 nach Palästina, wo er zwei Jahre in einem Kibbuz lebte. Im Jahr 1943 trat er als Freiwilliger der Royal Air Force bei, um im Einsatzgebiet von Ägypten gegen die Nazis zu kämpfen. 1946 zog Alfred nach Amerika, wo er zuerst in Ecuador und dann in Chile lebte.

 

Harry Brady

Harry Brady wurde am 24. Juli 1922 in Wien geboren. Im Schuljahr 1937/1938 besuchte er die Kaufmännische Wirtschaftsschule in der Grazbachgasse. Während seiner Schulzeit wohnte er in der Idlhofgasse 12. Er wurde am 17.4.1938 von der Schule abgemeldet. Im gleichen Jahr gelang ihm die Flucht nach Palästina. Nach Kriegsende war Harry Brady einer der wenigen jüdischen Rückkehrer in die Steiermark. Er zog nach Voitsberg, wo er über Jahrzehnte ein Kleidergeschäft führte und 2003 verstarb.

 

Lucy Hermann 

Hermann Lucy wurde am 21.12.1919 in Varaždin im damaligen Jugoslawien geboren. Im Schuljahr 1937/1938 besuchte sie den Abiturientenkurs an der Handelsakademie Grazbachgasse. Während ihrer Schulzeit war sie in der Stiftinggasse 32 wohnhaft. Sie schloss den Kurs nicht ab. Ihr weiteres Schicksal bleibt uns unbekannt.

 

Franz Horvath

Franz Horvath war einer von 19 jüdischen Schülern, der während dem Schuljahr 1937/1938 unsere Schule, die BHAK Grazbachgasse, besuchten. Er war einer von fünf Schülern, welcher in dieser ereignisreichen Zeit den Abiturientenkurs belegte. Franz Horvath wurde am 2. August 1919 in der ungarischen Hauptstadt Budapest geboren. Er wohnte vom 2. Oktober 1937 bis zum 14. November 1937 am Marburger Kai 47. Nach seinem Umzug war er ab dem 15. November 1938 am Tegetthofplatz 2 gemeldet. Franz besuchte das Schuljahr 1938/1939 nicht mehr an unserer Schule. Er wurde am 28. Mai 1938 von seiner Wohnadresse abgemeldet und flüchtete zurück nach Ungarn.

Nach der Abmeldung von seiner Wohnung und dem Umzug nach Budapest wurde leider nichts mehr uns Bekanntes über Franz Horvath protokolliert. Auch nach zahlreicher Recherche konnte ich bedauerlicherweise keine weiteren Informationen über einen Franz Horvath, der in Budapest, Ungarn, am 2. August 1919 geboren wurde, finden. Unglücklicherweise gab es auch keine weiteren Informationen über die Familie Horvath, die uns zu Franz führen konnten.

Der Lebensweg des jungen Mannes bleibt somit unklar, trotzdem bleibt Franz uns, besonders mir, in meinen Gedanken.

 

Heinrich Kissmann

Marcel Heinrich Kissmann wurde am 09.09.1922 in Graz geboren. Seine Eltern Jakob Kissmann und Regina Drimmer waren nicht verheiratet aber hatten zwei gemeinsame Kinder. Zusammen mit seiner Schwester Beate Kissmann und seinen Eltern lebte Heinrich bis 1938 in Graz. Heinrichs Eltern waren Unternehmer und besaßen ein Holzexport-Unternehmen in Graz, bis sie durch konstruierte Vorwürfe des „Betrug und Devisenvergehens“ durch die Nationalsozialisten angeklagt und inhaftiert wurden.

Heinrich besuchte die Kaufmännische Wirtschaftsschule für Knaben in der Grazbachgasse im Schuljahr 1937/1938. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten musste Heinrich im Frühjahr 1938 jedoch die heutige HAK Grazbachgasse im Alter von 15 Jahren verlassen. Heinrich konnte nach England fliehen – seine Schwester Beate kam ein paar Monate später mit einem sogenannten Kindertransport nach. Neun Monate nach der Flucht wurden seine Eltern freigelassen und konnten ebenfalls nach England ausreisen. Sie haben während des Krieges dort gelebt und gearbeitet. Im Dezember 1939 entschied sich Heinrich in die Vereinigten Staaten auszuwandern. Während er tagsüber in mehreren Fabriken arbeitete, machte Heinrich abends seinen Schulabschluss nach. Durch ein Stipendium war es ihm möglich, 1944 einen Platz zum Studieren im Sterling College zu bekommen. Später wurde Heinrich in die US-Army einberufen, wo er als Feldarzt in der 10 Mountain Division in Nord-Italien und später als Spion für die amerikanische Besatzungsmacht in Deutschland gearbeitet hat.

Nachdem er die Armee verließ, hat er einen weiteren Studien-Abschluss in Organik-Chemie mithilfe von GI BILL (Organisation für Gewöhnung an den Alltag) gemacht. Er ging zu einer Forschergruppe eines Pharma-Unternehmens, wo er an aktiven biologischen Substanzen (Antibiotika, Steroide) arbeitete.

Heinrich traf 1955 Lee Cohn – seine zukünftige Frau. Die beiden heirateten im Jänner 1956. Ab Mitte der 1960-Jahre wendete sich Henrys Interesse von der Labor-Forschung auf die Entwicklung innovativer Methoden zur Verwaltung von wissenschaftlichen Informationen zu. Er leitete Projekte zu diesem Thema bei der “US Food & Drug Administration“. Schließlich war Heinrich Kissmann noch in der medizinischen Abteilung der Nationalbibliothek tätig.

Im Jahr 1992 ging Heinrich in den Ruhestand. Am 01.08.1992 starb Marcel Heinrich Kissmann in den USA.

 

Henriette Klugmann

Henriette Klugmann wurde am 09.11.1923 in Graz geboren. Sie lebte gemeinsam mit ihren beiden Eltern in der Volksgartenstraße 1 in Graz und bekannte sich zur mosaischen, also jüdischen, Religion. Ihr Vater, Bernard Klugmann, geboren am 27.05.1898 in Polen, war Kaufmann und besaß ein Geschäft für Stoffe und Knopferzeugung, welches er aber im April 1938 samt dem ganzen Anlagenvermögen aufgeben musste. Henriettes Mutter hieß Fani Halberg, kam ursprünglich aus Rumänien, und wurde am 26.02.1899 auch dort geboren. Die Hochzeit der Eltern fand 1922 in Bistritz in Rumänien statt.

Henriette war eine durchschnittlich gute Schülerin und besuchte im Schuljahr 1937/1938 die 1C-Klasse der HAK Grazbachgasse. Sie war gerade erst im ersten Jahrgang, als man sie im April 1938 aus der Schule rausgeworfen hat.

Im April 1938 wurde Bernard Klugmann, wie auch allen anderen Juden zu der Zeit, sein Geschäft samt den ganzen Wertgegenständen vom Betrieb und der Familie genommen. 1939 flüchtete die ganze Familie in die Heimatstadt von Henriettes Vater, nach Sniatyn in Polen. Bedauerlicherweise wurden aber drei Jahre später, 1942, Henriette und ihre Mutter von der nationalsozialistischen Schutzstaffel (SS) in der Nähe von Sniatyn ermordet. Der Vater hat es trotzdem geschafft, im Juni 1942 nach London in Großbritannien zu fliehen, wo er sich für das Komitee für jüdische Flüchtlinge angemeldet hat. Außerdem diente er auch eine Zeit lang dem britischen Militär, bis er schließlich im Februar 1948 in die Vereinigten Staaten zog, wo auch die letzte Spur von ihm hinführt.

Über ein jüdisches Telegram- Onlineportal konnten wir die einzige bekannte Nachfahrin ausfindig machen. Judith Kloogman ist die Cousine von Bernard Klugmans Cousin und lebt in New York.

 

Sandor Kovač

Sandor Kovač wurde am 27. Mai 1919 in Budapest geboren. Er nahm im Schuljahr 1937/38 am Abiturientenkurs in der HAK Grazbachgasse teil, bis er die Schule aufgrund seiner jüdischen Religion verlassen musste und zurück nach Ungarn ging. Sein weiteres Schicksal bleibt unbekannt.

 

Johann Latzer

Johann Latzer wurde 1922 in Graz geboren. Sein Vater war Fritz Latzer und seine Mutter war die Jüdin Magarete Yellinek. Die Latzers waren eine große Kaufmannfamilie und wohnten in der Alberstrasse 6 in Graz. Der Vater war Teilhaber der Firma Heinrich Latzer und Söhne in der Radetzkystrasse 19. Johann Latzer war Schüler der 2d der Handelsakademie Graz. Er teilte sich das Geschäft, nachdem seine Mutter und seine zwei Geschwister vom nationalsozialistischen Regime deportiert und ermordet wurden, mit seinen restlichen Verwandten. Das Getreidegeschäft der Familie wurde allerdings noch vor August 1938 von den Nazis beschlagnahmt und kam unter kommissarische Verwaltung. 1939 floh Johann mit seiner Familie nach Palästina, da sie als sogenannte „Bekenntnisjuden“ dazu genötigt wurden, das Land zu verlassen. Um das nötige Geld dafür aufzutreiben, musste die Familie einen großen Teil ihres Eigentums veräußern. Nach dem Krieg lebte die Familie Latzer in Australien, in der Foam Street 32, Victoria. Die genauen Umstände der weiteren Flucht dorthin sind nicht bekannt.

 

Helene Mandel

Helene Mandel wurde am 28.01.1920 als Tochter von Wolf N. Mandel und Amalie Wahrmann in Wien geboren. Ihre Eltern waren beide im kaufmännischen Bereich tätig. Später wechselte die Familie ihren Wohnsitz nach Graz in die Mariahilferstraße 11, wo Helene die Handelsakademie Grazbachgasse in der Klasse 3c besuchte. Schon am 09.03.1938 , noch vor dem „Anschluss“, wurde sie, von der der Schule abgemeldet werden und konnte das Schuljahr nicht mehr abschließen.

Im selben Jahr heiratete sie Fritz Röhr, welcher mit seiner Familie nach Palästina fliehen konnte. Das genaue Schicksal von Helene ist uns leider nicht bekannt.

 

 

Gertrude Nasch

Gertrude Nasch wurde am 08.02.1921 als Tochter von Isidor Nasch und Frieda Feig in Graz geboren. Ihr Vater stammte ursprünglich aus Zohor in Bratislava (heute Slowakei), während ihre Mutter ursprünglich aus Duppov (Duppau) im heutigen Tschechien stammt – beide Orte gehörten damals zur Habsburgermonarchie. Gertrude hatte einen jüngeren Bruder namens Hedwig. Wohnhaft war sie in Graz in der Humboldstraße 26. Sie besuchte die HAK Grazbachgasse als Schülerin der Klasse 3c. Ihr Vater war Kaufmann und führte gemeinsam mit seiner Frau ein Zinshaus, das jedoch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten „arisiert“ (enteignet) wurde. Während des Krieges wurde der Vater nach Wien zwangsübersiedelt. 1942 wurde er in Polen ermordet. Gertrudes Mutter erlitt dasselbe Schicksal, wobei ihr Todesdatum unbekannt ist. Gertrude selbst gelang die Flucht nach Palästina. Dort heiratete sie am 30.06.1942 Josef Berkovitz.

 

Jakob Schwarz

Jakob Schwarz wurde am 16.01.1923 in Graz geboren. Seine Eltern Karl und Stefanie waren seit 1919 verheiratet und hatten vier gemeinsame Kinder. Zusammen mit seinen drei Schwestern und seinen Eltern lebte Jakob am Griesplatz 11.  Jakobs Vater, Karl, war ein Kaufmann und besaß einen Leder- und Schuhgroßhandel in der Brückenkopfgasse in Graz.

Jakob besuchte die Kaufmännische Wirtschaftsschule für Knaben in der Grazbachgasse im Jahr 1938. Am 12.05.1938 wurde Jakob von der heutigen HAK Grazbachgasse abgemeldet.

Aus einem Arisierungsakt des Steiermärkischen Landesarchivs  ist zu entnehmen, dass Karl seinen Sohn Jakob bei einer Handwerkerschule in Haifa, im damaligen Palästina, angemeldet hat. Ebenfalls geht aus diesem Akt hervor, dass Jakob die Flucht nach Palästina vermutlich im Herbst 1938 gelungen ist. Seine Eltern sind laut Bescheide des Finanzamts (StLA-FLD-5300-P4) im Februar 1939 ebenfalls nach Palästina geflüchtet.  Das weitere Schicksal von Jakob ist uns leider nicht bekannt.

 

Sonja Sommer

Sonja Sommer wurde am 28.03.1923 als Tochter von Paul Sommer und Emma Friedländer geboren. Wohnhaft war sie in der Conrad-v.-Hötzendorf-Straße in Graz. Sie besuchte die HAK Grazbachgasse in der Klasse der Kaufmännischen Wirtschaftsschule für Mädchen M1a. Ihr Vater stammte ursprünglich aus Liezen und war Kaufmann. Sein Wirkwarengeschäft, das er gemeinsam mit seiner Frau führte, wurde während der sogenannten „Arisierung“ (Enteignung und Beraubung jüdischen Eigentums) an einen unbekannten deutschen Unternehmer vergeben. Von Sonjas Großvater Samuel Friedländer ist bekannt, dass er als Holzhändler tätig war. Das weitere Schicksal der Familie ist unbekannt.

 

Johann Strauss

Johann Strauss wurde 1922 in Graz geboren. Sein Vater Dr. Emil Strauss war Anwalt und Inhaber der Firma M. Strauss, Kalk und Schotterwerk, Peggau in der Schmiedgasse 31 in Graz. Seine Mutter war Olga Strauss (geb. Reichner). Johann hatte einen Zwillingsbruder namens Fritz Berthold. Johann Strauss ging im Schuljahr 1937/38 in die 2DK der Handelsakademie Graz. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er – wie viele Grazer Juden – 1938  ins Konzentrationslager Dachau interniert. Nach seiner, nur in diesen ersten Monaten und unter dem Versprechen das Land zu verlassen möglichen, Rückkehr gelang ihm die Flucht nach Palästina. Ab 1941 lebte er schließlich in New York, 545 Westend Avenue, Apt.16 in den USA.

 

Janos Vajda

Janos Vajda, geboren am 15.08.1919 in Csurgo in Ungarn, wohnhaft in der Wielandgase 22/1 in Graz, besuchte den Abiturientenkurs in der HAK Grazbachgasse, welchen er Ende 1937 frühzeitig verlassen musste. Er war der Sohn von Zoltan Remenyi und Ilona Vajda, und Bruder von Elisabeth Susanne Remenyi.

Was mit ihm 1938 geschah, konnten wir nicht herausfinden. Seine Spur findet sich erst wieder im Jahr 1944. Am 11. November wurde er in das Waldlager 5 des KZ-Außenlagers Mühldorfer Hart in Bayern deportiert, wo er bis Anfang 1945 inhaftiert war und an angeblicher „Herzschwäche“ verstarb.

 

 

Heinz Heinrich Wechsler und Hans Wechsler

Heinz Heinrich Wechsler und sein Zwillingsbruder Hans Wechsler, geboren im Jahr 1920 in Graz, wohnten in der Leechgasse 25. Sie gingen in die HAK Grazbachgasse, genauer gesagt in die 3C. Die Brüder wurden am 28. April 1938 von der Schule abgemeldet. Die beiden hatten auch eine Schwester. Sie hieß Edith Wechsler. Die Eltern hießen Ernst und Nora Wechsler. Der Vater gründete die Grazer Metallwaren-Fabrik und hatte 1930 schon fast 100 Angestellte. Die Mutter war Musikerin und Sängerin. Bevor die Zwillingsbrüder in die HAK Grazbachgasse kamen, gingen sie in das Lichtenfels-Gymnasium. Heinz erinnert sich in einem Interview an die Schulzeit:

„Ich ging ins Lichtenfelsgymnasium, das eine Hochburg der Nationalsozialisten war. Es gab Prügeleien, es war nicht einfach dort. Es war eine gute Schule mit guten Lehrern, aber wir, mein Bruder und ich, waren fast die einzigen Juden in der Schule und noch dazu Zwillinge, was besonders auffallend war.“

Ernst Wechsler, der Vater, wurde mehrmals verhaftet und landete auch öfters aufgrund von schweren Verletzungen, nachdem er von Antisemiten verprügelt worden war, im Krankenhaus. Gerade noch entging er im letzten Moment der Deportation nach Dachau. Danach hatte die Familie keinen festen Wohnsitz mehr. Sie wechselten rund viermal die Wohnung, denn jedes Mal hieß es, es sei eine „christliche“ Wohnung. Also wohnten sie „aus Koffern“, denn sie wussten nie, wann sie wieder aus der nächsten Wohnung raus mussten.

Außerdem berichtet Heinz in einem Interview über seine Erinnerungen an diese Zeit, die er teils in einem sogenannten Kibbuz – seine Siedlung mit gemeinsamem Eigentum und basisdemokratischen Strukturen:

„Der Stadtkibbuz in Wien war eine Kommune zur Vorbereitung für die Einwanderung nach Palästina. Es gab auch einen in Graz. Praktisch hatte man ja keine Möglichkeit auszureisen, wenn man kein „Affidavit“ oder Verwandte in Amerika hatte. Alles war geschlossen. Über diesen Stadtkibbuz konnte man nach Palästina oder ins Ausland kommen, eventuell nach England oder nach Holland. Mein Bruder und ich gingen also in diesen Kibbuz in Wien in der Haasgasse, wo etwa 80 bis 100 Leute waren. Wir haben schwer gearbeitet. Die Arbeit bestand in erster Linie aus dem Transport von Möbeln bei der Umsiedelung von jüdischen Familien aus ihren schönen Wohnungen in kleinere. Das war eine Schlepperei, vor allem die Bücher. Wir haben dort auch die Wäsche gewaschen. Es war nett für uns, aber ein ganz anderes Leben. Es war schrecklich kalt, wir schliefen im Schlafsaal mit 40 Leuten. Aber wir waren jung …“

Gott sei Dank hat die Familie Wechsler es letztendlich geschafft, nach Palästina auszuwandern. Doch verkraftet haben es die Eltern nie, denn Heinz meinte: „Für ihn und auch für meine Mutter bedeutete die Emigration so etwas wie die Vernichtung.“