Emanuel Weinberger

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HIER ARBEITETE
EMANUEL WEINBERGER
JG. 1880
GESCHÄFT ‚ARISIERT‘ 1938
FLUCHT 1939
JUGOSLAWIEN
KLADOVO-TRANSPORT
ERSCHOSSEN 12.10.1941
ZASAVICA

 

Emanuel Weinberger wurde am 15. Jänner 1880 als eines von insgesamt 14 Kindern im mährischen Podivin (deutsch Kostel) geboren. Seine Schwester Irene heiratete 1913 den aus Leoben stammenden Ludwig Röhr und zog zu ihm in die Steiermark, wohin in den darauffolgenden Jahren fast alle weiteren Geschwister ihren Wohnsitz verlegten.

Emanuel Weinberger Privatarchiv Josef Carmiel

Emanuel Weinberger
Quelle: Privatarchiv Josef Carmiel


 

Emanuel Weinberger eröffnete vor dem Ersten Weltkrieg ein Textilwarengeschäft in der Grazer Vorbeckgasse 1. Im Ersten Weltkrieg war er zwei Jahre lang Frontkämpfer in Südtirol, wo er an der Isonzo-Front verwundet wurde. Nach dem Krieg heiratete er 1922 Martha Weinberger (geborene Wechsberg), die am 2. März 1896 im schlesischen Gescyn (Teschon) geboren wurde. Das Paar bekam zwei Kinder, 1923 wurde der ältere Sohn Walter geboren, 1927 Kurt. Beide Söhne besuchten die jüdische Volksschule und später das Oeversee Gymnasium in Graz.

Die Familien Weinberger und Röhr bei der Bar Mizwa von Walter Weinberger, Privatarchiv Josef Carmiel

Die Familien Weinberger und Röhr bei der Bar Mizwa von Walter Weinberger im September 1936 vor dem Wohnhaus in der Hans-Resel-Gasse 18
Quelle: Privatarchiv Josef Carmiel


 

Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde das Geschäft der Familie arisiert und ein „Kommissar“ eingesetzt, der die Liquidierung einleitete. Ein Teil des Erlöses aus der Zwangsliquidierung der Betriebsstände kam auf ein Sperrkonto als Vorbereitung für die Ausreise nach Palästina. Vor 1938 gab es kaum Bestrebungen das Land in Richtung Palästina zu verlassen, obwohl bereits 1936 ein Anschlag auf das Geschäftslokal verübt wurde. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurden in Graz zahlreiche Juden verhaftet, unter ihnen auch Emanuel Weinberger. Durch die Hilfe eines befreundeten Polizeibeamten konnte er jedoch über eine Hintertür entkommen.

Nachdem die Familie Ende 1938 gezwungen war, ihre Wohnung in der Mariengasse (heute Hans-Resel-Gasse 18) zu räumen, übersiedelte sie im März 1939 nach Wien, wo sie gemeinsam mit Verwandten zur Untermiete wohnten. Der ältere Sohn Walter flüchtete im Frühling 1939 nach Palästina aus, wo er den Namen Moshe Carmiel annahm. Er besuchte eine Landwirtschaftsschule und arbeitet viele Jahre in einem Kibbuz. Im Alter von 25 Jahren heiratete er und wurde zweifacher Vater. Walter Weinberger starb 2008.

Sein Vater Emanuel floh Mitte 1939 nach Kroatien, wo er nahe Zagreb lebte. Am 30. März 1940 kam er in das Dorf Kladovo. Von dort schrieb er am 7. Mai 1940 einen Brief an seinen Sohn in Haifa. Seine Frau Martha verließ am 20. Juli 1940 Wien über Graz ebenfalls in Richtung Jugoslawien, wo sich das Paar in Kladovo wieder traf. Von dort planten die beiden mit mehr als tausend weiteren ihre Flucht nach Palästina. Doch die Reise wurde aufgrund von organisatorischen Schwierigkeiten im serbischen Šabac unterbrochen, wo sie von Truppen der Wehrmacht eingeholt wurden.
Emanuel Weinberger wurde 12. Oktober 1941 gemeinsam mit hunderten weiteren Gefangenen als Sühne für einen von Partisanen verübten Überfalls auf 21 Soldaten der Wehrmacht erschossen. Martha Weinberger wurde in ein Konzentrationslager bei Belgrad deportiert und 1942 in einem Gas-LKW ermordet.

Martha Weinberger Privatarchiv Josef Carmiel

Martha Weinberger
Quelle: Privatarchiv Josef Carmiel


 

Der jüngere Sohn Kurt landete mit einem Kindertransport am 20. Dezember 1939 in Haifa, wo er bei seiner Tante und seinem Onkel aufgenommen wurde. Kurt Weinberger nahm in Israel den Namen Josef Carmiel an und lebt heute in einem Vorstadt-Seniorenheim bei Beer-Sheva im Süden von Israel.

Recherche und Biografie: Mag.a Martina Pock, MA

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