Verlegung von Stolpersteinen für 26 NS-Opfer an 14 Orten in Graz

27.September 2017 um 12:00 Uhr

MI, 27. September 2017, ab 12:00: Verlegung für 26 Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt, inhaftiert, vertrieben oder ermordet worden sind: jüdische Opfer, politische WiderstandskämpferInnen, Opfer des religiösen Widerstands, (Christkönigsgesellschaft, Zeuge Jehovas) und ein homosexuelles Opfer an 14 Orten in Graz

Beginn: 12:00 – 12:45 am Grieskai 2 für Eduard, Edith, Erich und Friedrich Bonyhady
Details über den weiteren Verlauf, die Menschen, derer gedacht wird, und die Orte (in den Bezirken Gries, Innere Stadt, Lend, Eggenberg, Jakomini, St. Peter, St. Leonhard und Andritz) folgen in Kürze
Abschluss des Verlegungstages: voraussichtlich 19:30/20:00

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Stolpersteine-Verlegung für 27 ehemalige Schüler des Oeverseegymnasium in Graz am 27.6. 2017

Stolpersteine-Verlegung für 27 ehem. Schüler des Oeverseegymnasium in Graz am 27.6. 2017 (Foto: A. Danner)

 

 

 

Stolpersteine in Graz – Gedenkprojekt für Grazer Opfer des Nationalsozialismus

In Österreich existieren in jeder Gemeinde sogenannte Kriegerdenkmäler, Denkmäler für die Opfer der NS-Diktatur sucht man jedoch meist vergeblich. Um der Grazer Opfer des NS-Terrors zu gedenken und dem Vergessen und diesem Unverhältnis entgegenzuwirken, hatte sich im Oktober 2012 der „Verein für Gedenkkultur in Graz“ gegründet mit dem Ziel, im Jahr 2013, also 75 Jahre nach dem Beginn des NS-Terrors in Österreich, auch in Graz im öffentlichen Raum (mehr) Erinnerungszeichen für Opfer des Nationalsozialismus zu setzen auf eine für alle EinwohnerInnen und BesucherInnen der Stadt Graz öffentlich zugängliche Weise.

Nach ausführlichen Vorbereitungen 2012 (Vorgespräche mit auf diese Zeit spezialisierten HistorikerInnen, mit VertreterInnen der Israelitischen Kultusgemeinde Graz, der in Graz vertretenen Opferverbände, christlicher Kirchen und mit Interessenvertretungen wie RosaLila PantherInnen, mit Kulturschaffenden, politischen VertreterInnen und interessierten Einzelpersonen) wurde im Jänner 2013 von den VereinsunterstützerInnen die Entscheidung getroffen, das Ziel der Erinnerungszeichen im öffentlichen Raum konkret mit dem Projekt „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig auch in Graz umzusetzen – wie es schon damals bereits in rund 650 Städten in Deutschland, aber auch in Salzburg, in der Region Braunau, in den Niederlanden, Belgien, Italien, Norwegen, Polen, der Slowakei, Tschechien, der Ukraine und Ungarn durchgeführt worden war. Mittlerweile gibt es in ganz Europa bereits ca. 60.000 solcher Gedenksteine in 22 Ländern (Stand: Jänner 2017).¹

„Stolpersteine“ sind ein Projekt nach dem Konzept des Künstlers Gunter Demnig, mit dem an das Schicksal jener Menschen erinnert wird, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben, in den Suizid getrieben worden sind oder von „Arisierungs“-Enteignungen betroffen waren; dabei wird sowohl jüdischer Opfer gedacht als auch jener Menschen, die Opfer politischer, religiöser, ethnischer Verfolgung waren, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ermordet wurden, weil sie den Kriegsdienst verweigert haben oder weil ihr Leben als „unwert“ galt (sogenannte „Euthanasie“).

In Graz wurden am 27. Juli 2013 die ersten 18 Stolpersteine verlegt. In den Jahren 2014 und 2015 kamen weitere 41 Steine dazu, am 17. Juni 2016 sechs Steine für die Familie Blüh / Scharfstein, und am  16. August 2016 Stolpersteine für die jüdischen Familien Silberstein, Düdner, Herzog, Blühweis, Kohn, die blinde Schriftstellerin Irene Ransburg (erstmals auch mit einem zusätzlichen Stein in Braille-Schrift) sowie Opfer aus den Opfergruppen der Zeugen Jehovas, politische Widerstandskämpfer und für ein homosexuelles Opfer.

2017 wurden am 27. Jänner (am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust für Robert Herzog und Josef Scharfstein) und am 27. Juni Stolpersteine verlegt (für 27 ehemalige jüdische Schüler des Oeverseegymnasiums), sodass es derzeit insgesamt 122 Stolpersteine für Grazer NS-Opfer gibt.

Die nächste Verlegung von Stolpersteinen in Graz wird am 27. September 2017 stattfinden.

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Bilder: von der Verlegung der Stolpersteine für den 94-jährigen Alfred Blüh (erstes Bild), seinen Vater Wilhelm und dessen zweite Ehefrau Olga Blüh sowie für seine Geschwister Hans und Gertrude Blüh, verh. Scharfstein und Josef Scharfstein.

In den meisten Städten – und so ist es auch in Graz – gibt es eine begleitende Projekt-Homepage, auf der ausführlichere Biografien der Opfer zu finden sind, sodass sich das Gedenken nicht rein auf Namen und Lebensdaten der Opfer beschränkt, sondern ihr Leben, ihre Tätigkeiten, ihr persönliches Umfeld  07_VerlegterStein_Ruckerlbergguertel_20160617_155044auch etwas umfassender in Erinnerung gebracht werden können (siehe  Menü-Punkt: „Stolpersteine in Graz“).

Vor den Wohnorten der Opfer wird am Gehsteig eine kleine Tafel aus Messing in den Gehsteig eingelassen, auf der an das Schicksal der Menschen erinnert wird, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine sind kubischeBetonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet.

Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-20160618_120919Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen. Gunter Demnig: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist”.

 

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1) https://de.wikipedia.org/wiki/Stolpersteine_in_%C3%96sterreich und https://de.wikipedia.org/wiki/Stolpersteine und https://de.wikipedia.org/wiki/Stolpersteine#Weitere_L.C3.A4nder

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Aktuelles:

27 Stolpersteine für vertriebene jüdische Schüler des Grazer Oeverseegymnasiums

Am 27. Juni fand die Verlegung bzw. Enthüllung von 27 Stolpersteinen für jüdische ehemalige Schüler des Grazer Oeverseegymnasiums statt, die nach dem sog. „Anschluss“ ihrer Schule verwiesen worden sind.

Der erste Teil der Gedenkveranstaltung, eingeleitet von Vereinsobfrau Daniela Grabe, bildeten in Form eines Kurzfilms die autobiografischen Aufzeichnungen von Gerda Eisler, Witwe des ehemaligen Schülers Kurz Eisler (veröffentlicht vom Verein CLIO/Heimo Halbrainer), den zweiten die sehr stimmungsvolle Enthüllung der 27 Gedenksteine.

(Fotos: (c) Alexander Danner)

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Nach Gedenkworten von Direktor Dietmar Dragaric und des aktuellen Direktors Dr. Franz Nowak sprach der Präsident der Grazer jüdischen Gemeinde MMag. Elie Rosen unter Anwesenheit von Vera Neufeld, Schwester zweier dieser Schüler: Helmut und Karl Walter Neufeld, und Landtagspräsidentin Dr.in Bettina Vollath, die eindrucksvolle Gedenkworten die Bedeutung eines solchen Gedenkens und die menschenrechtliche Verantwortung für die Zukunft unserer Gesellschaft betonte, und zahlreicher Schülerinnen und Schüler des heutigen Gymnasiums.

Weitere Vertreterinnen und Vertreter aus der Grazer bzw. steirischen Politik:
i.V. für den Herrn Bürgermeister HR Dr. Peter Piffl-Percevic, StadträtInnen Tina Wirnsberger, Robert Krotzer, Günter Riegler GRInnen: Manuela Wutte, Anna Robosch, Elke Heinrichs und Claudia Schönbacher, Bezirksvorsteherin Gerti Schloffer und die Bezirksräte Tristan Ammerer und der ehemalige Bezirksvorsteher Johann Haidinger, LT-Abg. Lara Köck und aus dem städtischen Kulturleben GrazMuseums-Direktor Otto Hochreiter, Birgit Kulterer vom Kulturamt und Margarethe Makovec und Anton Lederer von < rotor > association for contemporary art / Zentrum für zeitgenössische Kunst sowie Vertreterinnen und Vertreter von „Kultur in Graz“.

Schülerinnen und Schüler trugen einzene Biografien bzw. die Texte der 27 Stolperstein-Inschriften vor, Tobias Kochseder, Maturant des Oeverseegymnasiums des aktuellen Jahres, begleitete die Gedenkfeier musikalisch stimmungsvoll auf dem Akkordeon.
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Für folgende Schüler wurden Stolpersteine verlegt:
Franz Adler
Erich Bonyhady
Hans Bernhard Braun
Alfred Deutsch
Edgar Düdner
Artur Eibuschütz
Kurt Eisler
Leopold Enis
Rudolf Fleischhacker
Ernst Jagoda
Otto Günter Klein
Klemens Landau
Kurt Landskroner
Helmut Neufeld
Karl Walter Neufeld
Axel Rosenberger
Leo Roth
Max Schön
Robert Schwarz
Otmar Silberstein
Walter Stein
Fritz Strauß
Kurt Weinberger
Egon Hans Weiß
Fritz Gerhard Weiß
Karl Leopold Wolf
Max Wulkan

Verleihung des Menschenrechtspreises des Landes Steiermark am 7. März 2017

Am 7. März 2017 wurde dem Verein für Gedenkkultur in Graz, vertreten durch Obfrau Daniela Grabe, eine besondere Würdigung zuteil: Gemeinsam mit einer weiteren Preisträgerin, Dr.in Dorothea Bauer, wurde Daniela Grabe und dem Verein durch Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und in Anwesenheit von Landtagspräsidentin Dr.in Bettina Vollath im „Weißen Saal“ der Grazer Burg der Menschenrechtspreis des Landes Steiermark verliehen für das Projekt Stolpersteine in Graz: ORF: Verleihung Menschenrechtspreis

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(Foto Fischer/steiermark.at)

Zusätzlich wurden der Verein und seine zahlreichen UnterstützerInnen weiters gewürdigt durch einen Empfang von Landtagspräsidentin Dr.in Bettina Vollath am 30. März 2017 im Grazer Landhaus.

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(Foto: Büro Landtagspräsidentin Vollath)